by
Anne Christensen
Kontroverse Diskussionen um die Öffnung von persönlichen Literaturlisten prägten die beiden dreistündigen Workshops mit Lehrenden der Universität Hamburg in dieser Woche. 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren in dieser Woche in der Stabi zu Gast, um sich mit uns über Literaturrecherche und - verwaltung sowie die Schnittstellen zwischen bibliografischen Datenbanken und Lernmanagementsystemen auszutauschen. Dabei wollten wir einerseits einen besseren Einblick in die derzeitigen Praktiken der Lehrenden beim Umgang mit bibliografischen Informationen gewinnen, andererseits aber auch ein Gespür dafür bekommen, wie entsprechende Beluga-Funktionalitäten aussehen sollten. Was sind die Ergebnisse?
Die Quellen, die für die Recherche von Literatur herangezogen werden, unterscheiden sich stark danach, ob es um Lehre oder Forschung geht. In jedem Fall spielen Bibliothekskataloge aber nur eine untergeordnete Rolle: Sie dienen der Ermittlung von Verfügbarkeitsinformationen, nicht aber der Exploration eines Themas. Zwei klare Wünsche an die Rechercheplattformen der Zukunft:
- “Ich will auch etwas finden, was ich nicht gesucht habe”: Ein schöner O-T0n und ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie sehr der Katalog aktuell noch einer Inventarliste ähnelt und wie groß der Bedarf nach besseren “Entdeckungstools” ist.
- “Bündelt doch bitte möglichst viele Kataloge und Bibliografien”: Und wenn schon nicht mit einer Anfrage vollständige Ergebnisse zu erzielen sind, sollte es doch aussagekräftige Hinweise auf die zu einem Thema heranzuziehenden Quellen geben.
Für die persönliche Literaturverwaltung gibt es sehr unterschiedliche Lösungen - Literaturverwaltungsprogramme allerdings sind eher die Ausnahme: Zu kompliziert in der Benutzung und für Studierende in Bachelor-Studiengängen auch eindeutig überdimensioniert. Umso wichtiger, dass Beluga über folgende vier Grundfunktionen eines Literaturverwaltungsprogrammes verfügt:
- bibliografische Angaben in unterschiedlichen Formaten und Zitierstilen ausgeben
- eigene Datensätze anlegen
- Importfilter für die wichtigsten Fachdatenbanken anbieten
- mit anderen gemeinsam Bibliografien erstellen
Was die Verfügbarkeit von Literaturinformationen in Lernmanagementsystemen angeht, so besteht die gängige Praxis darin, händisch erstellte Word- oder PDF-Dokumente mit den Angaben zu der jeweiligen Veranstaltung bereitzustellen. Nicht überraschend also, dass die geplanten Beluga-Funktionen zur Übernahme von Literaturangaben per Mausklick als große Erleichterung empfunden wurden. Was uns hierzu mit auf den Weg gegeben wurde:
- “Mit der Verfügbarkeitsanzeige steht und fällt der Erfolg”: Neben den bibliografischen Informationen brauchen die BenutzerInnen von Lernmanagementsystemen auch die Anzeige von Ausleihstatus und Standort .
- Titelbilder und Inhaltsverzeichnisse sind ansprechend und informativ und sollten deshalb die bibliografischen Angaben ergänzen
- Die bibliografischen Angaben sollten in einem selbst wählbaren Stil von Beluga in die LMS übertragen werden werden. Dafür sollte Beluga eine noch zu definierende Menge an Stilen unterstützen, in jedem Falle aber BibTex.
Bei den Web 2.0-typischen Funktionalitäten von Beluga wurde vermutet, dass diese in der Hauptsache für die Studierenden attraktiv seien. Uneingeschränkt positiv beurteilt: das Tagging: “Ist ja klar, dass Bibliothekare bei ihren Schlagwörtern andere Vorstellungen haben”. Gewarnt wurden wir vor Mashups mit Inhalten kommerzieller Anbieter, namentlich Amazon-Rezensionen, den Schwerpunkt der Diskussion zum Thema Web 2.0 bildete jedoch die Frage der Öffnung eigener Listen für andere NutzerInnen: Der Aufwand für die Erstellung von Listen, die den gängigen Erwartungen an die Qualität professoraler Arbeit entsprechen, ist hoch; eine Liste - ob perfekt oder eher im Bearbeitungszustand - immer auch recht intim. Bei der Öffnung von Listen muss also recht genau differenziert werden können, wer Einsicht in welche (Teilmengen von) Listen nehmen darf. Wenn dann die Vorteile von Vernetzung erlebbar werden, kann Beluga ja vielleicht sogar einen Klimawandel in der akademischen Alltagspraxis befördern helfen.
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